Hört endlich auf, innovativ zu sein! – Teil 1 – Die Innovationsmythen

Markus/ Oktober 4, 2020/ Innovation, Nachgedacht/ 0Kommentare

Große Unternehmen reagieren auf Veränderungen wesentlich langsamer als junge Startups. Dafür braucht man kein Wirtschaftsanalyst sein. Häufig werden für den Vergleich solche Bilder wie Schnellboot vs. Öltanker aus der Kiste gezogen. Hinzukommt ein mächtiger Apparat von Bürokratie, die täglich die Masseträgheit nährt, was auch nicht gerade hilft, den Neuerungen des Marktes zu begegnen oder völlig neue Segmente für sich zu erschließen.

Startups can do anything. Companies can only do what’s legal.

Steve Jobs

Wenn man kein Business Model zu verteidigen, noch keine Marktreputation aufgebaut hat, also schlicht nichts zu verlieren hat und sich anschaut, wie Startups mittlerweile finanziell ausgestattet werden, so ist das Schnellboot für den etablierten Öltanker eine immer größer werdende und ernst zu nehmende Bedrohung.

Photo by Cameron Venti on Unsplash

Trotzdem gibt es auch heute noch eine -zugegeben geringer werdende- Zahl von Leadern in größeren Unternehmen, die die Notwendigkeit von Innovation infrage stellen und Innovationsprojekte als Zeit- und Geldverschwendung verurteilen. (Anmerkung: Wenn diese Projekte mit der falschen Intention aufgesetzt werden, sind sie das vielleicht auch.)

Hinzukommt, dass Innovation alles andere als einfach oder sexy ist, auch wenn die tollen Stories aus Silicon Valley und Netflix-Serien was anderes suggerieren.

Wenn wir uns nun vorstellen, dass wir innovative, neue Geschäftsmodelle innerhalb eines Unternehmens entwickeln wollen, welches dafür gemacht ist, das bestehende Modell zu wahren und auszubeuten, so klingt das ziemlich paradox. Letzlich steht genau dies, die damit verbundene Incentivierung und die der Größe des Unternehmens geschuldete Bürokratie dem Innovationprozess von explore, exploit and improve im Weg.

Trotzdem gibt es sie, die immer wieder Gegen-den-Strom-Schwimmer (Intrapreneure), die konstant versuchen, ihr Unternehmen ins 21. Jahrhundert zu befördern und sich die Frage(n) stellen: Wie kriegen wir es hin, dass unser Unternehmen überhaupt innovationsfähig ist?Wie können wir die Unternehmenskultur dahin verändern? Und: Wie kriegen wir den Transformationsprozess zu einem innovationsfähigen Unternehmen „gemanaged“? Auf dem Weg dahin stösst man zwangsläufig auf weitere Hindernisse: nicht ausreichende Priorisierung dieses Transformationsprozesses, notorische Nein-Sager und Verhinderer und letztlich die Frage: Wie kriege ich diese tollen Theorien effektiv auf die Straße?

Dies soll der Auftakt einer kleinen Serie von Blogartikeln zum Thema Innovation in etablierten Unternehmen sein. In diesem ersten Teil geht es um die Innovationsmythen, wie sie auch von Tendayi Viki in ‚Pirates in the Navy‘ beschrieben werden.

Die Innovationsmythen

Die Buzzword-Bullsh*-Bingo-Karte ist nirgends größer als bei der Glamour-Innovationslotterie. Ist man diesen Mythen einige Jahre hinterhergerannt, so gelangt man auch dabei so langsam zur Einsicht, dass ein blindes Befolgen dieser Mythen eher kontroproduktiv ist, ja sogar erheblichen Schaden verursachen kann. Nachfolgend ein paar Klassiker, die insbesondere in etablierten Unternehmen zu Problemen führen können.

Die Lean Startup Methode

Die Lean Startup Methode und ihre Tools sind großartige Werkzeuge, um das richtige Business Modell zu finden und zu testen und um die richtige Value Proposition zu finden. Der iterative Ansatz versetzt mich in die Lage, sehr schnell die Entscheidung treffen zu können, ob ein Business Model oder ein Projekt angepasst oder schlicht beerdigt werden sollte. Das Dumme dabei ist, dass ich genau das auch tun muss, um die Methode effektiv zu verwenden. Aber ist das jeweilige Unternehmen dazu überhaupt in der Lage? Letztlich muss ich auch als etabliertes Unternehmen bereit sein, mein eigenes Geschäftsmodell zu eleminieren, um im schlimmsten Falle nicht den Kodak-Moment zu erfahren.

Unendliche Weiten und Möglichkeiten

Let a thousand flowers bloom„, hört man immer wieder wenn es darum geht, the next big thing zu „erfinden“. Wenn man sich beim Innovieren richtig dolle anstrengt, wird schon das Richtige dabei sein. Das mag eine charmante Idee sein, wenn man sich ohne Kerngeschäft und ohne Rahmenbedingungen bewegen kann und sich gleichzeitig um Legal Tech, Fin Tech und Transportdrohnen kümmern kann. Ich bin allerdings der Meinung, dass sich Innovation innerhalb eines etablierten (Groß-)Unternehmens an der (hoffentlich vorhandenen) Gesamtstrategie zu orientieren hat. Andernfalls ist es schwierig bis unmöglich, sich den Support innerhalb der Organisation zu sichern, um die entstandenen Ideen zu explorieren, aufzubauen und zu skalieren.

Große Erfolge nur bei großen Investitionen

Die Idee dahinter ist, dass erst einmal große Investititionen in Technologie, Forschung und Entwicklung, usw. notwendig sind, um erfolgreich Innovations-Management betreiben zu können. Das stimmt solange, wie ich mich den traditionellen (häufig langwierigen) Businessplanungen und Investionsentscheidungen unterwerfen muss. Der Innovationsprozess sollte allerdings vielmehr ein iterativer Entwicklungsprozess mit vielen kleineren Entscheidungen, Tests und Anpassungen sein. Erst wenn diese Iterationen das Businessmodell bestätigen, folgen weitere Investitionen.

Große Unternehmen haben mehr Möglichkeiten

Venture Capital war noch nie so „verfügbar“ wie heute und Startups sind zur Explorierung von neuen Businessmodellen meist besser ausgestattet als etablierte Unternehmen. Hier sind die Ressourcen (und zudem die Geduld) nicht immer im ausreichenden Umfang verfügbar und in der Investitionsplanung hat das Kerngeschäft die oberste Priorität.

Es braucht nur eine tolle Idee

Häufig wird bei der Initialisierung eines Innovationsprozesses viel Energie den Tools und Methodiken gewidmet, um neue Ideen zu generieren und diese zu verwalten. Insgesamt gesehen sind dies aber nur sehr kleine Dinge, die berücksichtigt werden müssen. Vielmehr geht es darum, eine Idee in ein erfolgreiches und nachhaltiges Business Model zu überführen. Was mich zum nächsten Punkt bringt.

Innovation hat was mit Technologie und Forschung & Entwicklung zu tun

Häufig werden in Unternehmen Innovation Labs aus dem Boden gestampft, um losgelöst vom Kerngeschäft sich neuen Technologien und ähnlichem zu widmen. (Das wird noch Teil eines anderen Artikels). Innovation ist allerdings viel mehr als die Entwicklung neuer Technologien. Es geht um die Generierung von Kundennutzen und darauf basierend die Etablierung eines tragfähigen Geschäftmodells. Hier können Technologien und Forschung & Entwicklung ein wichtiger aber nicht der alleinige Bestandteil sein.

Der große Wurf

Immer wieder begegne ich der landläufigen Meinung, dass sich Innovation mit etwas völlig neuartigem und/oder revolutionäres befassen muss. Wie schon oben beschrieben, bin ich der Meinung, dass es in erster Linie um Kundennutzen geht und ob sich daraus ein (hoffentlich) erfolgreiches Geschäftsmodell formen lässt. Dabei ist es vorerst ziemlich egal, ob dem die jahrelange technologische Entwicklung eines Produktes vorausging oder ob ich die vielleicht schon vorhandenen Ressourcen und Möglichkeiten des Unternehmens neu kombiniere, also eher Evolution statt Revolution.

Fazit

Erst wenn man sicherstellen kann, dass die Entscheidungsfindungen nicht durch diese Mythen beeinflusst sind, steigen die Chancen für ein erfolgreiches Innovationsmanagement innerhalb eines etablierten Unternehmens – alles andere ist Innovationstheater. Dies und was es für einen Einfluss auf ein Innovation Lab hat, ist Inhalt eines weiteren Blogartikels.

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